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Sagen und Legenden aus der Niederlausitz und dem Dorf Kossenblatt
Die Ludki oder Luttchen

Der rote Stier auf weißem Grund, das Wappentier der Niederlausitz

Die Ludki oder Luttchen in der Niederlausitz

Varianten der Ludki Sage der Niederlausitz

© Detlef Miethe; 04936 Schlieben; Bergstraße 7; 
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Variationen auf die Ludki-Sage

Erzählungen vom Legendentyp

Der Ludkiring zu Alt-Döbern

Im Schloß zu Alt-Döbern wohnte im 18. Jahrhundert die Familie von Heynicke.
Zur Hausfrau trat des Nachts einmal ein kleines Männchen an das Bett und bat sie, ihm zu folgen. Die Frau tat dies schließlich erst bei der dritten Aufforderung, nachdem das Männchen ihr erklärte, daß es um seine Frau ging, die sich in Kindesnöten befände und welche ihrer Hilfe bedürfen würde. Sie folgte dem Männchen, welches durch eine Tapetentür ging und welche die Frau v. Heynicke vorher noch nie bemerkt hatte. Sie gingen eine Treppe hinab in den Keller und dort fanden sie eine kleine hübsche Frau in Kindesnöten auf Moos gebettet. Frau v. Heynicke konnte der Zwergin helfen und erhielt als Dank einen Ring mit den Worten: „Er wird Dir und Deiner Familie Glück bringen. Verlierst Du ihn oder zerbricht er, so ist es vorbei mit dem Glück“. Am nächsten Morgen glaubte die Frau geträumt zu haben, jedoch stak an ihrem Finger ein Ring, welcher in der Familie vorher noch nie gesehen war. Auch war die Tapetentür, die man nun suchte, nicht zu finden. Als im Alter der Frau von H. der Ring eines Tages zerbrach, war das Glück der Familie vorbei.

Phantastische Erzählungen

Die Ludki in Berge

Pflügende Bauern hatten zur Mittagszeit Hunger und so sagte einer von ihnen:“Die Ludki könnten uns einen Kuchen bringen, das wäre schön.“ Als sie weiterpflügten, sahen sie auf dem Acker zu ihren Füßen plötzlich einen Kuchen, neben dem ein Messer lag. Als sie das Pflügen unterbrachen, um sich den Kuchen überrascht anzusehen, sprach eine Stimme: „Esst, aber den Kuchen lasset ganz.“ Pfiffig wie die Pflüger waren, schnitten sie die Mitte des Kuchens heraus und aßen sich satt, den Ring des Kuchen ließen sie jedoch ganz. (Analoge Erzählung aus Eulo und gleichlautend auch in Forst)
Ein anderes mal sichelte ein Mädchen auf der Wiese. Um ihre Hände wickelte sich immer wieder ein feiner seidener Faden, den das Mädchen ärgerlich zerriß und verfluchte. Darauf hörte sie hinter sich ein Poltern. Es war der Schatz, den die Ludki ihr zugedacht hatten und den der Faden an die Oberfläche ziehen sollte, der nun aber abstürzte.

Die Luttchen im Marienberge bei Biebersdorf

Der alte Mietusch pflügte auf dem Marienberg und die Arbeit wollte keinen Fortgang nehmen. Da sah er hinter sich die Lutchen am Werke, die die Furche, welche er gerade gezogen hatte, wieder zuwarfen. M. griff zur Peitsche und schlug nach ihnen. Da sprachen sie:“Du sollst Dein Pferd nicht lebendig nach Hause bringen!“ Als er anspannte, um nach Hause zu fahren, zerriß das Geschirr und das Pferd fiel tot zu Boden. Als er am nächsten Tag das Ackerzeug holen wollte, war alles verschwunden. Die Luttchen verteidigten offenbar ihren letzten Zufluchtsort. Anders erging es dem alten Bogula. Auch er pflügte eines Tages, als es ihm plötzlich schien als höre er Kuchenbleche scheppern. Halb im Scherz und halb zu sich selbst sagte er: „Gebt mir auch ein Stückchen!“ Als B. seinen Pflug wendete, fand er einen Teller mit Kuchen und eine Kanne Kaffee. B. aß und trank. „Gut, daß du gegessen hast, sonst wäre dir alles zum Fenster hinaus geflogen!“, sagte eine Stimme.

Das Mädchen und die Luttchen in Burghammer

Ein Mädchen von 13 oder 14 Jahren hütete Kühe auf Noaks Berg im Busch. Eines abends hatte sie sich verspätet. Da kamen kleine Leute aus dem Berg und peitschten das Mädchen sehr, weil sie ihre Kühe nicht auf dem Berg haben wollten.

Die Luttchen am Schloßberg von Burg.

Laschki am Schloßberg hatte ein neues Staketentor. Die Luttchen sahen es von weitem und hatten Angst. Da forderten die Leute sie auf, doch näher zu kommen. Nein, sagten die Luttchen, die zeigen uns die Zähne und werden uns beißen. Dabei meinten sie, die Zaunspitzen seien Zähne. Die Leute konnten sie beruhigen und so sprachen sie ihre Bitte aus. Sie wollten einen Backtrog geborgt haben und sagten auf wendisch Backtrog, Nichtbacktrog. Dann setzten sich alle hinein und der Backtrog fuhr mit ihnen davon. Am anderen Tag kamen sie wieder, brachten den ausgeliehenen Backtrog zurück und dazu auch Brot, welches aussah wie von Erde gebacken.

Luttchen mit Nebelkappen in Burg

Ein Mann hatte auf dem Schloßberg Erbsen gepflanzt, die immer weniger wurden. Man hörte es knistern und sah die Erbsen verschwinden. In seinem Ärger griff der Mann zu einem Dreschflegel und drosch auf die Erbsen ein. Siehe da, es wurde ein Luttchen sichtbar, welchem der Mann die Nebelkappe vom Kopf geschlagen hatte und der bisher die Erbsen unerkannt gestohlen hatte.

Die Ludki und ihr König auf dem Schloßberg bei Burg

Das Volk der Ludki bewohnte in alter Zeit den Spreewald. Sie waren weder groß noch klein, sie waren untersetzt und vierkantig. Sie waren in allen Künsten erfahren, pflegten sich unter der Erde aufzuhalten und kamen nur selten hervor. Ihr König aber bewohnte auf dem Schloßberg eine Burg. Nach Burg ging er über eine Brücke, die ganz aus Sohlenleder gemacht war. Später sind die Ludki von den Wenden verdrängt worden.

Das Luttchen und die Ähre in Byhlen

Ein Bauer besah sich seine reiche Ernte in der Scheune. Auf einmal erblickte er im raschelnden Stroh ein kleines Männchen, groß wie eine Maus. Es bat den Bauern um eine schöne, große Gerstenähre, die der Bauer ihm auch bereitwillig gab. Das Luttchen warf sich die Ähre über die Schulter und verschwand mit Dank und der Ähre in einem Strohloch. So geschah es nun alle Tage. Eines Tages aber hatte der Bauer keine Lust in die Scheune zu gehen, und er schickte seinen Knecht. Dieser begegnete nun an des Bauern statt dem Luttchen. Auch er gab dem kleinen Wicht eine Ähre, lachte aber laut über die Mühe, welche der kleine Kerl aufbringen mußte, um die Ähre fortzubewegen. Darauf war das Luttchen nicht mehr gesehen worden, aber auch das Glück hatte den Hof verlassen. Das Vieh wurde krank und die Frucht auf den Feldern wollte nicht mehr gedeihen. Eines Tages mußte der Bauer mit Schmerzen seinen einstmals schönen Hof verlassen.

Luttchen bestrafen Undank in Byhlen

Die Luttchen waren ganz kleine Menschen, von denen einige in „Blaschkes Berg“ an der Bahn nach Lieberose wohnten. An dem Tag, von welchem hier die Rede ist, war es sehr heiß. Ein Bauer, der pflügte hörte ein Geräusch, welches sich anhörte als wenn jemand buttern würde. Ei, dachte er bei sich: “Wenn ich doch einen Topf mit frischer Buttermilch hätte!“ Kurz darauf erblickte er neben seiner Furche, die er gerade zog, einen Topf mit Buttermilch. Er nahm den Topf und trank ihn aus. Ohne Dank pflügte er gestärkt weiter. Als er wieder am leeren Topf vorbei kam, stolperte unser Bauer und brach sich ein Bein. Die Luttchen hatten ihn stolpern lassen, sie waren ärgerlich über den Undank des Mannes.
Lange haben die Luttchen in Byhlen gewohnt. Als sie aber die Glocken läuten hörten, verschwanden sie.

Luttchen im Schulhaus zu Forst

In Forst und Umgebung hielten sich die Luttchen auch gern im Schulhaus auf. Vor dem Schulhaus in Altforst standen früher die Kinder oftmals, um nach der Bodenluke zu sehen. Bewegte sich dort die aufgehängte Wäsche, dann waren ihrer Meinung nach die Luttchen am Werk.

Der Ludkenschatz zu Forst

Vor dem Bett eines Mannes in Forst stand eines Nachts ein Ludk, welcher den Mann zum Mitgehen aufforderte. Der Mann lehnte ab, woraufhin der Ludk auch in der zweiten und dritten Nacht erschien. Die Bitten des Ludk mitzukommen, wurden immer dringender, woraufhin der Mann dem Ludk schließlich folgte. Sie gingen auf die Feldflur zu einem einsam stehenden alten Birnbaum. Der Ludk verbot dem Manne sich umzusehen, auch wenn es nun donnern, blitzen oder das Dorf in Flammen aufgehen sollte, er, der Ludk werde ihn schon beschützen.
Unter dem alten Birnbaum wies der Ludk den Mann an zu graben. Als die Augen des Mannes ein heller Schein traf, drehte sich der Mann erschreckt um. Er glaubte das Dorf würde brennen und hatte im Erschrecken für einen kurzen Augenblick vergessen, daß der Ludki ihm eben das Umdrehen verboten hatte. In eben jenem Augenblick brauste und polterte es in der Erde. Der Ludk verschwand und auch die eben gegrabene Grube versank vor den Augen des Mannes. Der Mann ging verängstigt nach Hause.
Später hat er die Geschichte auch einem alten Mann erzählt. Dieser klärte ihn auf: “Du warst bestimmt, einen großen Schatz zu heben und hast versagt. Der Schatz, der schon unter Deinem Spaten lag, ist auf Nimmerwiedersehen in die Tiefe gekollert.“

Der goldhungrige Knecht vom Fuchs- oder Ludgenberg zu Friedland

Einstmals lag in einer schönen warmen Maiennacht ein Knecht unter einem Busch schlafend am Ludgenberg. Um Mitternacht erwachte er von einem Scharwerksgeräusch, welches seine Ohren traf. Als er sich umsah, bemerkte er eine ganze Anzahl Ludgen, kleine Kerle, welche mit Spaten, Sieben und Karren einem Geschäft nachgingen, welches für den Knecht zunächst unverständlich war. Beim näheren Hinsehen erkannte er jedoch, daß sich die kleinen Kerle offenbar erfolgreich der Goldgräberei widmeten. Nach Mitternacht, als die Ludgen verschwanden, sah sich der Knecht in der Höhle um und entdeckte einen Goldschatz. Der Knecht raffte soviel er konnte davon in einen Sack und schleppte ihn nach Hause.
In der folgenden Nacht wiederholte er seinen Raubzug. Dies blieb von den Ludgen jedoch nicht unbemerkt. Sie beobachteten den Knecht und stellten ihm schließlich eine Falle. Der Knecht stürzte und meinte gestolpert zu sein. Er raffte sich auf und eilte nach Hause. Am folgenden Tag schwoll das Bein dick an, so daß der Knecht im Bett in seiner Kammer bleiben mußte. In der Nacht schlich sich ein Ludgen zum Knecht und bestrich seine linke Seite mit einem Erlenzweig. Der Knecht wand sich in Schmerzen und – starb. Am folgenden Morgen fand man den toten Knecht mit blutroten Streifen an seiner linken Körperhälfte. „Das sind die Ludgen gewesen“, sagte ein fast hundertjähriger Schäfer. Ja, ja der Goldhunger!
Als der Bauer die Kammer des Knechtes ausräumte, fand er den ganzen Bettkasten voller Gold. Der Bauer war zu einem reichen Mann geworden, die Ludgen aber waren verschwunden.

Der goldene Luttchentisch zu Gehren

In Gehren bei Luckau befindet sich in der Feldmark eine Grube. Es heißt, in dieser hätten die Ludki ihre Wohnung gehabt. Als diese auswanderten, ist das Heiligtum derselben, ein Tisch und eine goldene Lampe, darin versunken.

Der Knecht und das Lüttchen zu Göllnitz

Der Lüttchenberg bei Göllnitz hat seinen Namen von den Lüttchen, kleinen Leuten, die tief im Inneren des Berges ihr Wesen treiben. Was sie dort treiben ist ihr Geheimnis, doch geht die Sage von unendlichen Gold- und Edelsteinschätzen, welche die Lüttchen dort gewinnen und bearbeiten. Einmal nur, in einer Nacht des vollen Mondes, kommen die Lüttchen hervor und dann auch nur in der Stunde von 12 bis 1 Uhr um Mitternacht. Nur ein Sonntagskind, welches noch dazu in einer Vollmondnacht zu mitternächtlicher Stunde geboren sein muß, kann die kleinen Wichte dann beobachten. Kaum einem ist es daher gelungen, die Lüttchen wirklich bei ihrem Treiben zu beobachten, daher sind auch die Berichte über sie so dunkel und verworren. Einmal ist jedoch einer der kleinen Männer einen ganzen Monat lang in menschlicher Gesellschaft gewesen und davon soll hier berichtet werden.
In einer hellen Frühlingsvollmondnacht strömten aus dem Lüttchenberg helle Scharen der kleinen Männer aus sich öffnenden geheimen Pforten. Sie rüsteten zu ihrem Mondfest, schleppten Tische, Stühle, Speisen und Getränke herbei. Sie setzten sich schließlich um den gedeckten Tisch, ließen sich die Speisen und Getränke munden. Hell klangen die gefüllten Gläser aneinander, Messer und Gabeln klapperten auf den Tellern und bald ertönten ihre schönen Lieder in die Nacht hinaus. Nur eines der Männchen hielt sich fern von der Tafel. Ihn plagte die Unruhe und die Neugier. Ihn zog es in das Menschenreich. Er wollte doch zu gern das Dorf sehen, in welchem die Menschen zu Hause waren. Und so lehnte er an einer alten Eiche und sah zu den Häusern von Göllnitz hinüber, von wo eben die Kirchenglocken ihr Geläut ertönen ließen. Unser Lüttchen kam, von dem herrlichen Anblick des Dorfes und dem erhaben Geläut der Glocken betört, ins Träumen – und da schlug die Kirchturmuhr schon die erste Stunde des neuen Tages!
Oh weh, das war der Augenblick, in welchem sich der Berg verschloß und unser kleiner Träumer hatte den Weg zurück versäumt!
Ratlos und traurig setzte sich das Männchen unter die Eiche und schlief bald vor Kummer, Erschöpfung, Angst und Kälte ein. Ein Knecht mit mitleidigem Herzen fand den kleinen Schläfer, als er am frühen Morgen auf das Feld wollte. Er nahm seinen Hut ab und setzte unser Lüttchen hinein. „Hier hast Du es wärmer“, dachte er bei sich, „schlafe nur und wenn Du ausgeschlafen hast, dann wollen wir weiter sehen“.
Zur Frühstückszeit hatte der Knecht seine Arbeit getan und kehrte zu seinem Hut mit dem Männchen zurück. Letzteres blickte ihm erschrocken entgegen. Einen so riesenhaften Kerl wie diesen Knecht hatte es noch nie gesehen. Der Knecht aber näherte sich dem Lüttchen behutsam, gab ihm ein Krümchen von seinem Frühstücksbrot und auch ein Schlückchen Kaffee. Da fing das Männlein an von seinem Mißgeschick zu erzählen.
Der Knecht tröstete das Männchen und versprach ihm seine Hilfe. „Das bisschen Essen und Trinken, welches du brauchst, fällt von dem meinen leicht ab. Schlafen wirst du bei mir im Bett, du mußt dich nur vorsehen, wenn ich mich im Bett umdrehe kannst du leicht erdrückt werden. Vor allem aber, laß dich nicht von den Menschen sehen! Gewiß würden sie mit dir Unfug treiben!“
Als die Mittagszeit gekommen war, steckte der Knecht das kleine Wesen in seine Rocktasche und nahm es mit nach Hause. So kam der Lüttchen in die Menschenstube und beachtete alle Hinweise des Knechtes sorgsam. Jetzt konnte unser Lüttchen die ihm geheimnisvolle Welt der Menschen eingehend beobachten. Er hörte das Gejohle der Kinder auf dem Hof, beobachtete die Bäuerin mit dem Milcheimer, sah den stolzen Hahn mit seinen Hennen auf dem Mist scharren.
Kam der Knecht abends in seine Kammer, dann erzählten sie sich oftmals lange. Der Knecht erfuhr vom Leben der Lüttchen im Berg und unser Lüttchen manches Interessante aus der Menschenwelt.
Als die Vollmondnacht, in welcher sich der Lüttchenberg wieder öffnete herangenaht war, ging der Knecht unter dem Vorwand seinen Wetzstein vergessen zu haben, auf das Feld. Das Lüttchen hatte er in seiner Rocktasche versteckt. An der Eiche, unter welcher der Knecht das Männlein gefunden hatte, setzte er es in das Gras. Sie verabschiedeten sich herzlich und das Lüttchen eilte dem Berg zu, um pünktlich Schlag 12 am Ort zu sein. Als sich die geheime Pforte um Mitternacht öffnete und all die Lüttchen aus dem Bergesinneren hervorströmten, war der Jubel groß. Alle freuten sich, daß der kleine Ausreißer wieder bei den Seinen war.
Der Knecht aber fand am nächsten Morgen auf dem Platz, auf welchem er seine Sachen hinzulegen pflegte, einen großen Klumpen Gold. Am Monatsende nahm er von seinem Bauern seinen Abschied. In einem fernen Dorfe kaufte er sich ein, nahm ein Weib und zeugte mit ihr viele Kinder. Mit seiner Familie lebte er auf seinem Hof lange Jahre in Glück und Zufriedenheit. Oftmals erzählte er an den langen Winterabenden seiner Familie von dem Erlebnis mit dem Lüttchen aus Göllnitz.

Das Alte Dorf bei Kaden

Eine Feldmark bei Kaden wird Altes Dorf genannt. Hier wohnten einstmals kleine Leute, die gegen jedermann freundlich und immer hilfsbereit waren. Sie hatten eine ganz frühe Sprache, die nur schwer verständlich war. Zu Kindstaufen holten die Luttchen die großen Menschen zu Gevattern. Auch die Feste der großen Menschen feierten sie gern mit. Oftmals borgten sie sich von den Menschen Butterfässer. Aus Holz konnten sie nichts machen. All ihre Gefäße waren aus Ton. Die Scherben ihrer Gefäße gruben die Luttchen ein. Ihre Toten verbrannten die Luttchen und deren Asche wurde in großen Tongefäßen beigesetzt. Neben diese Urnen setzten sie kleine Näpfe, welche mit den Tränen der Hinterbliebenen gefüllt waren. Die Urnenstätten findet man immer in größeren Ansammlungen und stets sind sie in Steine gepackt.
Als die Christen Glocken auf ihre Kirchtürme hängten, zogen die Luttchen nach dem Luckschen Busch zu. Sie konnten das Geläut nicht ertragen. Auf der entvölkerten Luttchendorfstelle bauten nun die Christen ihre Heimstätte. In einem Krieg zerstörte der Feind dieses Dorf und tötete seine Bewohner. Bald wuchs Gesträuch und ein Wald über der Dorfstätte, welche die Kadener bis auf den heutigen Tag das „Alte Dorf“ nennen. Die Seelen der seinerzeit grausam Getöteten sollen jedoch noch jetzt dort umgehen.

Die Ludki in Keune

Aus neuerer Zeit:
Eines Morgens, als erst zwei Kinder in der Schule waren, kamen aus einem Mauseloch zwei Ludki auf die Bänke gesprungen. Sie waren puterrot im Gesicht, hatten lange rote Bärte und rote Kleider. Bald verschwanden sie wieder in ihrem Mauseloch. Lehrer H. hat wegen des Aufsehens um diese Geschichte seine Stelle aufgeben müssen.
Noch im Jahre 1861 sind im Dorf zwei Ludki, eine Frau und ein Mann, gesehen worden. Sie waren bei einer Hochzeit, auf welcher sie aufgespielt und getanzt hatten. Beide hatten rote Kleider an und die Frau war reich mit goldenem Zierrat geschmückt. Gewohnt haben die Ludki in einem Berg nahe des Dorfes. Dort gibt es eine Ludki- Höhle. Bei Nachgrabungen hat man aber nur weißen Sand, mit welchem die Höhle ausgestreut war, gefunden.

Die Ludki von Koppatz

Im Schwarzen Berg bei Koppatz wohnten früher die Ludki. Des Nachts gingen sie auf die Felder der Bauern, rissen dort die Wasserrüben aus, banden immer zwei derselben zusammen, hängten sie sich über die Schulter und trugen sie im Gänsemarsch hintereinander trabend in den Berg.

Die Ludki von Laasow

In der Nähe des Berges Podgat pflügte einst ein Bauer, welchen plötzlich ein heftiger Hunger überfiel. “Ach, sagte er vor sich hin, wenn ich doch nur etwas zu essen hätte, mich hungert doch gar zu sehr.” Kaum hatte er dies gesprochen, standen Ludki vor ihm und reichten ihm eine Schüssel mit Buttermilch und Brot.

Die Ludki von Leuthen

In der alten Schanze bei Leuthen, die nunmehr abgetragen ist, wohnten einst die Ludki. Einmal ging ein alter Schäfer des Abends hier vorbei, als er aus der Schanze Musik hörte. Er blieb stehen, um genauer horchen zu können. Plötzlich stand ein Ludk vor ihm und forderte ihn auf mitzukommen, um sich die Musik besser anhören zu können. Der Ludk führte ihn in die Schanze, und der Schäfer sah wie die Ludki ein frohes Fest feierten. Sie musizierten und tanzten, so daß der Schäfer seine Freude daran hatte. Als er wieder gehen wollte führte ihn der Ludk zur Schanze hinaus.
Auch auf dem Berg hinter der Kirche wohnten Ludki. Die von der Schanze sind mit jenen vom Berg einst in Streit geraten, der sich zu einer großen Schlacht auswuchs. In dieser Schlacht sind alle Ludki gefallen. Seither gibt es sie in Leuthen nicht mehr.

Die Ludki bestimmen den Standort der Kirche zu Madlow

Als die zum Christentum bekehrten Wenden auf der Tymmenza, einer heidnischen Opferstätte inmitten des Dorfes, ihre Kirche bauen wollten, brachten sie dorthin das Baumaterial. Des Nachts kamen die Ludki mit einem Gespann schwarzer Ochsen, luden das Material auf und brachten alles an eine Stelle außerhalb des Dorfes. Am darauffolgenden Tag ließ der Missionar die Steine zurück an den Ort bringen, an welchem er die Kirche bauen wollte. Jedoch kamen die Ludki mit ihrem Ochsengespann wieder, um alles aufzuladen und um das Baumaterial nochmals fortzuschaffen. Es blieb den Madlowern schließlich nichts anderes übrig, als ihre Kirche dort auch zu bauen.
So setzten die Ludki ihren Willen auch bei der Auswahl des Standortes für das Pfarrhaus in Madlow durch.

Das Luttchen und das Mädchen in Niewitz

An den langen Winterabenden gingen die Mädchen des Dorfes zur Spinte in ein Haus, welches nahe dem Friedhof stand. In dem Haus waren auch Luttchen, die kamen manchmal und machten zur Freude der Mädchen Musik. Eines Tages kam jedoch ein Luttchen und sagte: ”Wer sich von euch fürchtet, dem beiß ich in das Bein!” Eines der Mädchen bekam große Angst, es sprang auf die Bank. Der Luttchen hinterher und biß ein Stück ihrer Wade ab, mit welchem er im Mauseloch verschwand. Die Mädchen schrien entsetzt auf und das gebissene rannte voll Panik aus dem Haus. Draußen fand man sie – tot.

Ein Ludk straft einen Jungen unweit von Peitz

In Peitz gibt es einen Ludgengraben und ein Ludgenfeld. Vielleicht waren hier die Ludkis zu Hause, die an folgender Begebenheit beteiligt waren.
Der Schulweg führte die Jungen des Dorfes an einem Mohrrübenfeld vorbei. Eines Tages bemerkten die Jungen auf diesem Feld einen Ludk, welcher Rüben aufzog. Die meisten Kinder flohen ängstlich. Ein vorwitziger Junge beschimpfte den Ludk jedoch und bezichtigte ihn des Diebstahls. Damit nicht genug, bewarf er den kleinen Ludk mit Sand. Endlich kamen dem Ludk viele Kameraden zu Hilfe und der Junge bekam es mit der Angst und lief weg. Einer der Ludkis verfolgte ihn mit einem Besen und schlug den Jungen damit. Diese Schläge waren für den Jungen folgenreich. Er konnte nicht mehr wachsen und blieb klein wie ein Ludk.

Der Ludgensteig bei Riedebeck

In der Feldmark nahe der Schielemühle kann man einen Streifen von der Breite einer Elle erkennen, der geradewegs zur Mühle führt. Dieser Streifen hebt sich deutlich von der umgebenden Flur ab und ist auch gut in der Feldfrucht, die hier immer geringer ist, sichtbar. Es ist der Ludgensteig, der sich so zeigt. Die Ludgen benutzten ihn immer, wenn sie vom Borchelt, wo sie wohnten, zur Mühle gingen, um ihr Korn zu Mehl mahlen zu lassen.
Als vor vielen Jahren Kurengs Vater aus Gehren vom Feld heimfuhr, entdeckte er auf eben diesem Steig einen zerbrochenen Kuchenschieber. Er nahm in mit und reparierte ihn zu Hause. Am anderen Tag hat er den reparierten Schieber abgelegt, wo er ihn Tags zuvor gefunden hatte. Als er beim Heimfahren wieder an der Stelle vorbeikam, lag dort ein schönes Stück Kuchen, welches der alte Kureng mit Appetit aß.

Der Ludkischatz bei Sergen

In einem Berg zwischen Sergen und Gablenz haben die Ludki einen Schatz versteckt. Obwohl man genau weiß wo dieser Schatz versteckt ist, ist es noch Niemandem gelungen, diesen zu heben. Den Ort des Schatzes bezeichnet ein Loch, welches die Ludki gegraben haben, um den Schatz zu verstecken. Viele haben sich daran versucht dieses Loch zu verfüllen, nachdem sie den Schatz vergeblich zu heben versuchten, aber auch das ist nicht gelungen.

Die Ludki und die Feuersglut in Skadow und (gleichlautend) in Strega

In jener Zeit, in welcher man das Feuer noch mit dem Stahl und dem Zunder entfachte, kam eines späten Abends eine Frau vom Felde und wollte schnell ein Feuer unterm Herd anzünden. Sie hatte damit erhebliche Mühe und als sie zum Fenster hinausblickte, sah sie auf dem Feld ein Feuer. Dorthin ging sie mit einem Topf um Glut. Als sie dem Feuer nahe war, erkannte die Frau eine Anzahl Ludki, welche um das Feuer saßen. Diese bat sie um Glut, welche ihr auch bereitwillig gegeben wurde. Jedoch erhielt die Frau eine Auflage. Sie durfte sich nicht umsehen, wenn sie mit der Glut nach Hause ging. Das versprach die Frau und hielt ihr Versprechen auch. Sie kam mit der Glut gut nach Hause, entfachte dort leicht das Feuer und stellte den Topf mit der restlichen Glut auf den Herd. Am nächsten Tag, als die Frau in den Topf guckte, erblickte sie lauter Goldstücke. Die Glut hatte sich in Gold verwandelt. Das freute die Frau sehr, denn es war eine arme Frau. Daher ging sie am folgenden Abend wieder um Glut zu den Ludki mit dem gleichen erfreulichen Ergebnis. Auch versuchte sie es ein drittes Mal. Wieder erhielt die Frau glühende Kohlen, jedoch verboten ihr die Ludki wiederzukommen.

Das Frühstück für den Bauern aus Schorbus

Vor Zeiten lebte in Schorbus ein Bauer, welcher sich jeden Morgen, so wie es sich gehörte, wusch und auch sein Morgengebet verrichtete. Der Hirte des Bauern jedoch wusch sich weder noch betete er vor des Tages Arbeit.
Eines Tages bekam der Bauer bei seiner Feldarbeit Hunger und er seufzte vor sich hin. Plötzlich stand ein Ludk vor dem Bauern, welcher diesem ein schönes Frühstück überreichte. Dazu sagte er: “Du hast dich ordentlich gewaschen und hast auch gebetet, so sollst du auch ein Frühstück haben. Dein Hirte aber, der Ungewaschene, erhält nichts.

Die Luttchen und die Rüben in Schwarzheide

In den Höhlen der Balzberge wohnten bei Schwarzheide die Luttchen. Sie besuchten die am Dorfrand gelegenen Felder der Bauern, um sich hier Rüben für ihre Mahlzeit zu holen. Die Bauern duldeten dies, denn sie hatten durch die Luttchen auch viel Gutes. So brachten die kleinen Leute den Kindern der Menschen immer wieder Spielzeug. Eines Tages jedoch kam wegen des Krieges eine Hungersnot über das Land und die Menschen hatten selbst nichts zu essen, so daß für die Luttchen nichts mehr übrig blieb. Da sind die Luttchen fortgezogen, um nie mehr wiederzukommen.

Die Ludki von Stradow

Eine alte Frau aus Stradow berichtete, daß die Ludki an dem Tag, an welchem in der Kirche zu Vetschau das Lied „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ gesungen wurde, mit Seufzern gen Himmel gefahren sind.

Das Geld der Ludki aus Waldow

Vor Jahren fand man in Waldow einen schönen braunglasierten Krug mit blauen Blumen darauf. Darinnen lagen vier-, sechs-, und neuneckige Silber- und Goldmünzen. Man sagt, daß der Krug mitsamt den Münzen einst von den Ludki dort vergraben worden war.

Der Luttchenschatz zu Werben

Auf Schippans und Bramers Feld wurde durch deren Knechte beim Rigolen in Tontöpfen Gold- und Silberschmuck gefunden. In Cottbus konnten die Knechte den Schmuck verkaufen.
In manchen Dörfern wurde eine abgewandelte Version der Ludki-Sage erzählt. Das darf nicht wundern. Sagen wurden über viele Generationen nur mündlich weitergegeben und manch ein Erzähler erfand zum Zwecke der Unterhaltung oder auch der Erziehung Variationen auf das Thema.